Albanien
hat ein pockennarbiges Gesicht. Vom Mittelmeer bis zum Gebirge
der zweiköpfigen Adler, um die sich langsam zersetzenden Städte
ist es mit kreisrunden, grauen Deckeln übersät, bohren sich
Bunker in die Erde. Winzig sind die Hunderte und Tausende von
Schlupflöchern, Dachsbauten ähnlicher als einer menschlichen
Behausung. Schutz für jeden Menschen auf der Insel aus Granit,
so hieß es, Überleben durch Beton und Stahl, unter der Erde.
Doch
nie fielen sie, die Bomben, die dicht hinter dem Horizont
gewähnten. Heute leben Menschen in den Erdlöchern, Kinder mit
betongrauen Augen.
Auch
in Georgien hat die Erde Löcher. Behende beugt sich der Bäcker
über ihren Rand, klatscht kreisrunde Fladen an die Wandung,
immer tiefer, näher an der Glut, mit Fußsohlen voller Sonne. In
anderen Löchern, groß wie Menschenkammern, gärt der
Traubensaft. Brot- und Weinlöcher bebrütet hier die Erde,
erbrütet Nahrung für Hände, die Balkonhöhen errichten, und
Wein für Trinkhörner und Trinksprüche und Feste mit nur fernem
Ende.
Und in
Georgien explodierten Bomben. Und Brot- und Weinlöcher sind
keine Bunker.
© 1995 Silke Liria Blumbach. All
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